TRAUNKREIS VET CLINIC - Zentrale Ried im Traunkreis

Kaiserschnitt beim Rind

Der Legende nach soll der römische Kaiser Julius Cäsar aus dem Bauch seiner Mutter geschnitten worden sein und so dieser Geburtshilfetechnik ihren Namen gegeben haben. Den ersten nachweislichen Kaiserschnitt bei einer lebenden Frau führte im 15. Jahrhundert ein Schweizer Sauschneider durch, der die Operationstechnik zuvor bei Schweinen praktiziert hat und nun seiner Frau - nach 2 Tagen in den Wehen - und seinem ungeborenen Kind das Leben rettete. Bis dahin wurde das Leben der Mutter dem des Kindes vorgezogen oder erst nach dem Tod der Mutter deren Bauch eröffnet, da es verboten war, eine schwangere Frau zu bestatten.
Heute ist der Kaiserschnitt aus der Humanmedizin nicht mehr weg zu denken und nahezu 20% aller Geburten in Österreich erfolgen per Kaiserschnitt, mittlerweile auch ohne zwingende Notwendigkeit, nur auf Wunsch der Mutter.
In der Veterinärmedizin gehört der Kaiserschnitt nach wie vor zum täglichen Brot des Rinderpraktikers, obwohl bei unseren Milchrassen züchterisch, neben Milchleistung und Fitness, auch auf Leichtkalbigkeit selektiert wird.
Anders die Situation in Ländern mit hohem Fleischrassenanteil, wie z.B. den Beneluxstaaten, wo wegen der Größe des Kalbes eine Geburt auf natürlichem Weg oft nicht möglich ist und so am errechneten Geburtstermin eine für die Operation fertig vorbereitete Kuh auf den Tierarzt wartet. Dieser macht häufig mehrere Kaiserschnitte an einem Tag.
Aus Tierschutzgründen ist der Transport von trächtigen Tieren um den Geburtstermin verboten, was ein Töten des Muttertieres mit anschließender Extraktion des Kalbes ("Russischer Kaiserschnitt") in einem geeignetem Schlachthaus unmöglich macht.
Notschlachtungen am Bauernhof sind sehr aufwendig und kompliziert (tierärztliche Bescheinigung einholen, Metzger und Abtransport organisieren, ...), zumal sich Schwergeburten oft spätnachts oder an Sonn- und Feiertagen zutragen. Der Absatz des Schlachtkörpers gestaltet sich ebenfalls schwierig und der Landwirt hat mit Geldeinbußen zu rechnen.


Notwendiges Instrumentarium für einen erfolgreichen Kaiserschnitt


Als erste Indikation für einen Kaiserschnitt ist das absolut zu große Kalb zu nennen, welches eine Passage durch den natürlichen Geburtsweg unmöglich macht. Umgekehrt können natürlich, vor allem bei Kalbinnen, die Geburtswege wie Becken, Muttermund und Scheide zu eng sein (relativ zu große Frucht). Weiters gibt es eine Anzahl von Komplikationen, wie z.B. unbehebbare Drehungen der Gebärmutter (Torsio uteri = Drall), Kopf oder Gliedmaßen, unbehebbar verschlagene bzw. ungünstige Lage (Steißlage), Missbildungen des Kalbes oder Wehenschwäche, um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt kommt auch in der Nutztierpraxis dem Wunschkaiserschnitt immer mehr Bedeutung zu, vor allem bei sehr wertvollen Muttertieren und deren Nachwuchs oder aus Termingründen.
Von einer Operation dringend abzuraten ist bei einem verschleppten Geburtsverlauf (Kalb schon länger tot, Haare und Klauen lösen sich, stinkende Fruchtwässer und Nachgeburtsteile, ...) und wenn die Kuh einen sehr schlechten Allgemeinzustand aufweist (hohes Alter, chron. Klauen- und Gelenksentzündungen, Leber- oder Nierenschäden, ...).
Nur der rechtzeitig beigezogene Tierarzt kann entscheiden, wann dieser doch erhebliche Eingriff sinnvoll ist oder nicht.


Die Operation erfolgt meist im Stehen, ist aber auch im Liegen möglich und üblicherweise auf der linken Körperseite, da diese operationstechnisch besser geeignet ist. Wichtig ist eine staubfreie Umgebung, viel Licht und mindestens ein beherzter Assistent. Die Kuh soll gut fixiert sein und am besten eine Augenblende tragen. Das Operationsfeld wird großzügig und gründlich (Wegwerfrasierer) ausrasiert und die Haut mehrmals desinfiziert. Die örtliche Betäubung des Operationsfeldes ist ausreichend - eine Narkose der Kuh ist meist nicht nötig.
Eine sterile Plastikwundabdeckung wird auf das Operationsfeld gelegt und dann beginnt die eigentliche Operation mit einem Hautschnitt (ca. 30 cm). Unter der Haut müssen mehrere Muskelschichten durchtrennt werden, bevor man vorsichtig die Bauchhöhle eröffnen kann. Die Gebärmutter wird vorverlagert, eröffnet und das Kalb möglichst schnell herausgeholt.


Extraktion des Kalbes


Jetzt ist es wichtig, dass der Assistent parat ist und das Kalb fachgerecht versorgt, während der Tierarzt die Kuh wieder Stich für Stich zunäht. Hier ist es wichtig, mit modernen Nachtmaterialien zu arbeiten, da dies Komplikationen vorbeugt. Auch das Einbringen eines Antibiotikums in die Bauchhöhle ist von großem Wert, bevor die Haut mit Metallklammern versorgt wird. Vom operierenden Tierarzt ist vor allem rasches Handeln gefragt, da er oft sehr spät zur Geburtshilfe gerufen wird und die Zeit über Leben und Tod des Kalbes entscheidet.


Kuh und Kalb sind wohlauf


Die Kosten-Nutzen Rechnung ist bei einem lebenden Kalb absolut intakt und die Tierarztkosten rechnen sich.
Prognose: Meist komplikationsloser Heilungsverlauf -> kein Milchmengenausfall, übliche Rastzeit und normales Einsetzen der Brunst, unwesentlich schlechterer Erstbesamungserfolg.